Gedankengebäude zerstören PDF Drucken E-Mail

Auf Spiegel Online kann man lesen, dass ein Hindu nach 14 Tagen wieder aus dem Krankenhaus entlassen wurde und die Wissenschaft staunt Bauklötze. Er sagt von sich, dass er seit 70 Jahren ohne Nahrung und Trinken lebt. Sie haben ihn intensiv untersucht und nichts feststellen können – außer, dass er weder trinkt noch isst – und kerngesund ist. Der Mensch kann – so sagt man – maximal 5-7 Tage ohne Wasser überleben. 14 Tage haben sie ihn untersucht und er ist „immer noch“ bei bester Gesundheit.  Sollen wir hier einen Glaubenssatz über Bord werfen?

In Russland gibt es eine Ärztin die behauptet, dass der Mensch MAXIMAL 800 Kalorien am Tag benötigt, im Ruhezustand (also dem westlichen Alltag) nur 200 – 400 Kalorien, was einem Glas Orangensaft entspricht. Sie hat dies in ausführlichen Tests belegen können und mehrere Bücher darüber geschrieben. Sollen wir wirklich einen so großen Glaubenssatz über Bord werfen???

Gedankengebäude haben wir schon in der Kindheit aufgebaut. Sie sind so wackelig wie Bauklötze. Viele unserer Gedankengebäude sind schon zusammengestürzt – unsere „festen Überzeugungen“ haben wir schon mehrmals geändert.

Ein wackeliges Konstrukt ist momentan auch der Wachstumsglaube. 2-5% Wirtschaftswachstum benötigen wir, um unseren Lebensstandard zu erhalten, heißt es in Unternehmen, in der Politik, bei Gewerkschaften – kurz – in der Gesellschaft. Aber es gibt kaum noch Erzvorkommen in Europa, die nicht geplündert sind. Und die Erze der Welt sind immer schwerer zugänglich. Wie viele IPhones kann der Mensch produzieren, bis alles verbraucht ist? Wie viele Fernseher, Autos und Flugzeuge?

Ca. 7 Mrd. Menschen bevölkern mittlerweile den Planeten und die Belastung des Planeten durch unsere Art zu leben ist so hoch, dass Wissenschaftler vor einem Artensterben warnen, das nur mit dem Untergang der Dinosaurier vergleichbar ist. Nur zur Info, sollten Sie es vergessen haben: Das war die Zeit von der man sagt, ein Asteroid hat fast alles Leben vernichtet.
Und wir haben dazu den Glaubenssatz, dass wir nicht anders können.

Jedes Gedankenkonstrukt ist nur so stark, wie die Identifikation damit. Wenn es „nur“ Gedanken sind, können wir sie auch loslassen. Aber wehe, wenn wir von etwas (vor)eingenommen sind! Dann LEBEN wir das Gedankenkonstrukt – oder besser: es lebt UNS.

Handlungskompetenz heißt für mich, sich weder von Emotionen noch von Gedanken leiten zu lassen. Sie sind da – aber sie sind nicht das, was uns wirklich ausmacht. Wir sind ja auch nicht unsere Hand – sondern HABEN eine Hand. So sind wir auch nicht unsere Gedanken (ich denke…) und auch nicht unsere Emotionen (ich bin wütend…). Wir HABEN Gedanken. Wir HABEN Gefühle. Aber wir SIND sie nicht!

Mit diesem Abstand die Gedanken und Gefühle wahrnehmen zu können führt dazu, dass wir handlungsfähig sind – in Zeiten der Krise wie in ruhigen Gewässern. Dann finden wir vielleicht noch eine für alle friedliche Lösung, die Errungenschaften des 20. Jahrhunderts ins 21. zu retten, zu erhalten und zu verbessern.

Es gibt so viele Lösungen – wir sehen sie nur vor lauter Gedankengebäuden nicht! DAS heißt es, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen!

 
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Matthias Goetzke
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